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Die ideologische Überhöhung der Genderpolitik


Auszug aus der Ansprache zum 30 Jahre Jubiläum von Network Gay-Leadership

Universität Zürich, 25. April 2026

 

«……Eine Ursache solcher Verunsicherungen und Verrenkungen ist die Omnipräsenz genderpolitischer Themen in Kultur, Medien und Politik.

Die Sensibilisierung für sexuelle Minderheiten führte zu ideologischen Überhöhungen und dogmatischem Aktivismus. Dies entwertet die berechtigten Anliegen.

Der Einsatz für Toleranz und Rücksicht ist zu einem Eifer zu moralischer Besserwisserei gewachsen, die keine abweichende Meinung akzeptiert und die ihrerseits Intoleranz erzeugt. Sensibilisierung entwickelte sich zum moralischen Vorschlaghammer.

Vorsicht!

Moralapostel sind falsche Freunde. In ihnen brennt ein heiliges Feuer, das auf Opfer wartet, um sie auf einem Scheiterhaufen wie Hexen zu verbrennen.

Sie erinnern zuweilen an die Pharisäer, mit denen Jesus zu Gericht ging oder an die Ablasshändler, die zur Reformation führten.

 

Ich will festhalten: Es ist ein Erfolg, dass die Gleichberechtigung aller Geschlechter salonfähig und allüberall auf Strassen und social medias präsent ist.

Doch ein reissender Mainstream, in welchem alles und jedes mitschwimmt,

verunreinigt das ursprüngliche Quellwasser. Der reissende Fluss gefährdet das Grundwasser.

 

Das ursprüngliche Anliegen war, einem Menschenrecht zum Durchbruch zu verhelfen, dem Menschenrecht, das eigene Leben selbst zu bestimmen, ohne diskriminiert zu werden.

Dieses Anliegen verkommt gelegentlich zu einem lärmigen Sauglattismus.

Watson berichtet in einem grossen Artikel mit Fotos und Stellungnahmen, der deutsche Sänger Kaulitz setze sich für homosexuelle Schafe ein. Ist das aufklärerisch? Soll es lustig sein? Wie leicht kippt es ins Lächerliche! Und damit wieder in eine Diskriminierung.

Es kommt etwas dazu: Jede politische Modeströmung kann versiegen und zur Gegenbewegung anschwellen. Die ganze Weltgeschichte ist eine Abfolge von Aktion und Reaktion. Nach Trumps Abkehr von den Klimaverpflichtungen strich die UBS ihre Nachhaltigkeitsziele aus der Unternehmensstrategie. Und Roche und UBS strichen soeben Diversity-Massnahmen aus ihren Geschäftsberichten (TA 20. April 26). Innert einem Jahr ist es zu einer Trendwende gekommen, wenn nicht zu einer Trendumkehr.

Plötzlich werden wir ins Mittelalter zurück katapultiert. Peter Thiel wurde vor ein paart Tagen zitiert mit: «Wer die KI regulieren will, ist ein Antichrist.»

Das erinnert uns daran: Keine Errungenschaft der Aufklärung, die zur Zivilisation führt, ist für immer errichtet, auch die Demokratie als solche nicht: Bang blicken wir in die USA, in Ungarn musste um die Demokratie gekämpft werden.

Auch Homophobie kann wieder aufkommen. Vorzeichen sind zu beobachten. Die meist religiöse Motivation entzieht sich einer anthropologischen und einer politischen Diskussion, sie umflort sich mit verklärter Heiligkeit (eher Scheinheiligkeit) in einer diffusen Wolke, um unangreifbar zu bleiben.

Für die Gleichberechtigung der verschiedenen Lebensformen und sozialen Herkünfte wurde in den letzten 60 Jahren Vieles erreicht. Uneheliche Kinder, ledige Mütter, die Anerkennung der sexuellen Orientierung, Konkubinat, Patchwork Familien.

Aber: Alle diese Errungenschaften müssen stets und immer wieder weiter verteidigt werden, gegen irrationale Vorurteile, gegen Ausgrenzungen und Hetzkampagnen!

 

Zu Recht feiern wir heute das Erreichte. Aber wir können uns nicht damit begnügen.

Auch wenn die sexuelle Selbstbestimmung rechtlich verankert ist und

Obwohl sie von der Rechtsprechung bestätigt wird, ist diese Selbstverständlichkeit nicht und sie ist nie gesichert.

 

Um den Geist der Menschenrechte nachhaltig in den Köpfen und Herzen der Menschen zu verankern, braucht es Beharrlichkeit, Geduld und Arbeit.